Kolonade | Bingen

Kategorien: Städtebau
Standort: Bingen
in Zusammenarbeit mit: Thoma Architekten
Jahr: 2006
Platzierung: 1. Preis

Drei Punkte gewinnen Höhe und überwinden die Bahnlinie. Sie verbinden in Verlängerung das Rheinufer mit der Stadt und teilen die Länge des Weges entlang der Schallschutzwand.
In wechselnden Fluchten schlängelt sich ein Pfad entlang der Straße, der grünen Wand und der Kronen der Bäume. In Gruppen oder vereinzelt stehend geben die unterschiedlichen Baumarten dem Pfad in allen Jahreszeiten einen abwechslungsreichen Charakter.
Dieser romantischen Idee folgend wird die Kolonnade als unverwechselbare Ergänzung der neu gewonnenen Stadtlandschaft interpretiert. Das Spiel zwischen gezogenem, fast schwebenden Weg und der vegetativen Dichte schafft auf engstem Raum eine ungeahnte Erlebniswelt und entwickelt eine Vielzahl von Perspektiven neben der bloßen Verbindung von Orten. Der Bingener Blätterpfad ist weder Grenze noch Übergang. Er ist vielmehr grüne Membran zwischen dem Geräuschpegel der Bahnlinie und dem neuen ruhigen Quartier. Ein dicht mit einheimischen Gehölzen bepflanzter Streifen besetzt die Fläche und schützt damit gleichsam diesen wichtigen, neu gewonnenen Stadtraum für seine Benutzer. Der verspringende Weg und die unterschiedliche Laubdichte verleihen ihm ein ganz selbstverständliche Heiterkeit im Spiel aus Licht und Schatten.
Um den Grad der Versiegelung zu verringern, sind alle der ca.100 Stellplätze sicher in die Grünflächen eingebunden. Die Fläche erhält damit eine mehrfache Nutzbarkeit und hilft Ressourcen zu schützen. Die freibleibenden Wiesenflächen können flexibel für Freizeit-, Ruhe- und Erholungszwecke benutzt werden.
Das Laufen, Joggen oder Fahren auf dem Pfad zwischen dem Geäst der Bäume wird zu einer ungewohnten, lehrreichen oder auch kontemplativen Erfahrung. Das Beobachten der Baumfauna, der Blick durch die Kronen in Richtung Stadt oder zum Rhein, die Farbänderungen im Wechsel der Jahreszeiten oder das Lichtspiel zwischen den Ästen werden zu bleibenden Einrücken. Mit Lichtinstallationen in den Kronen, mit Festtagsthemen oder als Austellungsfläche für bildende Kunst bietet der Pfad zusätzlich eine denkbar attraktive Plattform für aktive Inszenierungen.
Die Brückenanschlüsse können in 2 unabhängigen Phasen realisiert werden. Die in der ersten Phase freibleibende Fläche der Rampe zum Brückenniveau wird temporär als Stadtbalkon und Ausstellungsfläche addaptiert. Die Flächen unter dem Pfad können flexibel und modular je Bedarf und Geschäftsidee bestückt werden. Entstanden ist eine Verbindung, ein Netz, ein Brückenanschluss aber vor allem ein Grund diesen Weg parallel oder in Kombination mit der Uferpromenade als Rundweg zu nutzen.